Versteuerung der Einkünfte in Österreich oder im Ausland?

Bevor Sie die Frage beantworten können, wo Sie Ihre zukünftigen im Ausland erzielten Einkünfte versteuern müssen, ist zunächst festzustellen, ob Sie Ihren Wohnsitz aus steuerlicher Sicht in Österreich aufgeben oder nicht bzw. ob sich Ihre steuerliche Ansässigkeit ins Ausland verlagert oder in Österreich verbleibt.

In den meisten Fällen stehen Steuerpflichtige die im Ausland arbeiten vor der Problematik, dass der Heimatstaat Österreich (in den meisten Fällen auch der Ansässigkeitsstaat), als auch der Tätigkeitsstaat auf die Einkünfte welche im Ausland erzielt werden das Besteuerungsrecht beansprucht. Um eine solche Doppelbesteuerung zu vermeiden, hat Österreich bereits mit über 80 Staaten ein so genannten Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Doppelbesteuerungsabkommen sind bilaterale Verträge zwischen zwei Staaten die Regeln, unter welchen Voraussetzungen ein Staat die Einkünfte von Personen und Unternehmen besteuern darf.

Die Anwendung des richtigen Doppelbesteuerungsabkommen

Beim Auslandseinsatz einer Person ist jenes Doppelbesteuerungsabkommen anzuwenden, dass zwischen dem Wohnsitzstaat des Mitarbeiters und dem Tätigkeitsstaat abgeschlossen wurde. Es herrscht in der allgemeinen Meinung häufig Irrtum darüber, das diesbezüglich auch das Doppelbesteuerungsabkommen des Arbeitgeberstaates anzuwenden sein – dieser Meinung ist jedoch eine klare Absage zu erteilen.

Beispiel:

Arbeitet eine in Österreich wohnhafte und in Österreich steuerlich ansässige Person für einen schweizer Arbeitgeber in Deutschland, so ist das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und Deutschland und nicht jenes zwischen Österreich und der Schweiz maßgeblich.

Verbleibt bei Einsätzen in Staaten mit Doppelbesteuerung weiterhin die steuerliche Anässigkeit in Österreich (d.h. Österreich erhebt Besteuerungsanspruch auf das Welteinkommen der im Ausland tätigen Person) so hat Österreich die Doppelbesteuerung zu vermieiden. Dies erfolgt entweder durch die Befreiungs- oder Anrechnungsmethode.

Befreiungsmethode:

Im Rahmen dieser Methode wird das im Ausland erzielte Einkommen in Österreich von der Besteuerung ausgenommnen. Zu beachten ist jedoch, dass das ausländische Einkommen den Steuersatz, welcher auf ein etwaiges in Österreich erzieltes Einkommen angewendet wird, erhöht (positiver Progressionsvorbehalt).

Anrechnungsmethode:

Im Rahmen der Anrechnungsmethode nimmt Österreich in einem ersten Schritt als Anässigkeitsstaat die Besteuerung des Welteinkommens vor. Der Staat, in dem die Person tätig ist, wird ebenso eine Besteuerung auf die dort erzielten Einkünfte vornehmen. Damit keine Doppelbesteuerung eintritt, wird die im Ausland tatsächlich bezahlte Steuer auf die Österreichische Steuer angerechnet. Zu beachten ist jedoch, dass nur ausländische Steuer in der Höhe angerechnet wird, die auch in Österreich für die Auslandseinkünfte zu bezahlen gewesen wäre (Anrechnungshöchstbetrag).

Fälle in denen kein Doppelbesteuerungsabkommen zur Anwendung kommt

Werden Sie in einem Staat tätig, mit dem Österreich noch kein Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung abgeschlossen hat, so besteht Steuerpflicht im Tätigkeitsstaat nach den jeweiligen dort geltenden Vorschriften. Österreich erhebt ebenso zunächst Besteuerungsanspruch auf diese Einkünfte, jedoch kann auf Antrag gemäß § 48 BAO eine Doppelbesteuerung auch in diesen Fällen in Österreich vermieden werden.