Effiziente Firmengründung im Ausland

Häufig stellen uns Unternehmer und Steuerberaterkollegen die Frage, ob durch die Gründung einer ausländischen Gesellschaft aufgrund der nationalen und internationalen steuerlichen Verschärfungen der letzten Monate noch steuerschonende Effekte zu erzielen sind oder nicht.

Wir können diese Frage dem Grunde nach nicht mit einem ja oder nein beantworten. Vielmehr ist auf den Einzelfall und den damit verbundenen unterschiedlichen Voraussetzungen abzustellen. Generell kann jedoch gesagt werden, dass Firmengründungen alleinig aus steuerlichen Aspekten nicht empfohlen werden können. Im Rahmen einer Expansionsphase eines Unternehmens können jedoch unter Einhaltung der gesetzlichen Spielregeln auch nach wie vor, steuerschonende und vor allem steuerlegale Unternehmensstrukturen weltweit aufgebaut werden. Wichtig dabei ist die, wie bei fast allen Steuersachverhalten, rechtzeitige und detaillierte Planung der einzelnen Strategien und Gründungschritte mit dem fackundigen Steuerberater.

Zur Gründung von Gesellschaften in Niedrigsteuerländern möchten wir Sie allgemein wie folgt informieren:

Nach österreichischer Rechtsordnung kann jeder Unternehmer grundsätzlich seine geschäftlichen Aktivitäten entfalten wo immer er will. Das heißt, er kann als Sitz und Ort der Geschäftsleitung seines Unternehmens ein beliebiges Land wählen oder unternehmerische Funktionen dorthin verlagern, indem er dort eine “Gesellschaft” gründet. Zweck einer ausländischen “Gesellschaft” in einem Niedrigsteuerland ist zumeinst, Einkünfte von der Besteuerung im Anässigkeitsstaat des Empfängers “abzuschirmen”.

Diese Abschirmwirkung ist insoweit gegeben, als die ausländische Gesellschaft mit einer Kapitalgesellschaft im Sinne des österreichischen Rechts vergleichbar ist (so genannte “Typenlehre”). Ist dies der Fall, ist die ausländische Gesellschaft als Zurechnungssubjekt der Einkünfte (dem Grunde nach) anzuerkennen.

Ort der Geschäftsleitung

Diese Abschirmwirkung kann aber dann verloren gehen, wenn der Auslandsgesellschaft ein inländischer “Ort der Geschäftsleitung” iSd § 1 Abs. 2 KStG iVm 27 Abs. 2 BAO mit der Folge der unbeschränkten Steuerpflicht der Gesellschaft in Österreich unterstellt wird. Diese in der Praxis häufige Konstellation ergibt sich dann, wenn der Geschäftsführer bzw. Gesellschafter/Geschäftsführer der im Ausland gegründeten Gesellschaft in Österreich steuerlich ansässig ist und die “tatsächliche” Leitung der Geschäfte von Österreich aus führt und demnach zu selten pyhsisch am Ort der ausländischen Gesellschaft sein Unternehmen betreibt.

Ausreichende Dokumentation außersteuerlicher Gründe

Es sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben, dass der österreichischen Finanzverwaltung in der Bundesabgabenordnung (BAO) ein “Waffenarsenal” zur Verfügung steht, mit dem grenzüberschreitende Gesellschaftskonstruktionen unter gewissen Umständen für nichtig erklärt werden können.

Vorgänge sind steuerlich grundsätzlich nicht anzuerkennen wenn diese,

1. der wirtschaftlichen Betrachtungsweise (§ 21 und § 24 BAO) zuwiderlaufen oder

2. einen Rechtsmissbrauch (§ 22 BAO) darstellen.

Entfalten demnach so genannte Briefkastengesellschaften keine oder nur geringfügige wirtschaftliche Tätigkeiten (zB reine Fakturierungsgesellschaften), so kann ihnen auch keine wirtschaftliche Funktion zugeordnet werden. Ebenso als Mißbrauch wird von der österreichischen Finanzverwaltung eine rechtliche Gestaltung angesehen, die im Hinblick auf den angestrebten wirtschaftlichen Erfolg ungewöhnlich und unangemessen ist und ihre Erklärung nur in der Absicht der Steuervermeidung findet. Es ist in diesem Zusammenhang demnach bei Firmengründungen im Ausland zu prüfen, ob der gewählte Weg noch sinnvoll erscheint, wenn man den abgabensparenden Effekt wegdenkt, oder ob er ohne das Resultat der Steuervermeidung einfach unverständlich wäre. Liegt ein erwiesener Missbrauch im Sinne des § 22 BAO vor, sind  die Abgaben so zu erheben, wie wenn kein Missbrauch stattgefunden hätte (demnach in der Regel gänzliche Besteuerung der ausländischen Einkünfte in Österreich).

Um eine Missbrauchsvermutung gemäß § 22 BAO der österreichischen Finanzverwaltung in Abrede zu stellen, ist es unbedingt erforderlich, außersteuerliche Gründe für die gewählte Gesellschaftskonstruktion festzulegen und ausreichend zu dokumentieren. Diese außersteuerlichen Gründe (beispielsweise Wachstumsphase des Unternehmens mit operativer Tätigkeit im jeweiligen Staat, Erschließung von Märkten …) können nur vom Steuerpflichtigen selbst dargelegt und dokumentiert werden. Der Steuerberater kann und muss natürlich in diesem Zusammenhang unterstützend tätig werden, da es ihm sodann obliegt, die gewählte Konstruktion allenfalls vor der Finanzverwaltung zu verteidigen.